Psychoonkologie
Was ist Psychoonkologie?: Unter
Psychoonkologie versteht man die wissenschaftlich erforschten Möglichkeiten,
Patienten bei der Bewältigung ihrer Tumorerkrankung professionell zu unterstützen
und sie zu beraten. Seit
Menschen wissen, dass es Tumorerkrankungen gibt, machen sie sich Gedanken, wo
diese Erkrankungen herkommen, wie sie zu heilen sein könnten oder, wenn sie
nicht heilbar sind, wie man damit so gut wie möglich leben kann. Wie bei allen
Erkrankungen, die man sich noch nicht vollständig erklären kann, wurden auch
hier die verschiedensten Hypothesen entwickelt, was eine Krebserkrankung
verursachen könnte. Dabei wurden nicht nur genetische Faktoren, Infektionen,
Umweltschädigungen und Nahrungsfaktoren beschrieben, sondern auch Spekulationen
entwickelt, ob psychische Faktoren ebenfalls eine auslösende oder begünstigende
Rolle spielen könnten.
Psychoonkologie: Faktor
Psyche
In den
70er und 80er Jahren spielte diese Diskussion eine herausragende Rolle und führte
zu heftigen Kontroversen, die in den letzten Jahren wieder aufflammten. So gab
es vor einiger Zeit eine lebhafte Debatte über Carl Simonton und dessen
umstrittenes, aber weitverbreitetes Konzept der Psychoonkologie. Ronald
Grossarth-Maticek, ein entschiedener Vertreter der psychogenetischen Theorie
(Psychogenese
= Entstehung von der Seele bedingt),
gab mit dem Familientherapeuten Helm Stierlin ein gemeinsames Buch heraus, in
dem sie nicht nur behaupten, psychische Krebsentstehungsfaktoren benennen zu können,
sondern auch beschreiben, wie aus ihrer Sicht eine psychische Behandlung von
Krebskranken zu erfolgen habe. Aus
wissenschaftlicher Sicht hat sich unter anderem der Psychoonkologe Reinhold
Schwarz mit der Frage befasst, ob es eine Krebspersönlichkeit gibt, und in
einer fachlich sehr sauberen Studie gezeigt, dass Faktoren, die einer
sogenannten Krebspersönlichkeit zugeschrieben werden, wohl eher Ausdruck der
subjektiven Belastung angesichts einer vermuteten Krebsdiagnose sind. Reinhold
Schwarz untersuchte Patientinnen mit einem verdächtigen Knoten in der Brust,
bevor eine Diagnose gestellt wurde, und prüfte dann, ob es psychische
Unterschiede zwischen Patientinnen mit einer gutartigen und einer bösartigen
Diagnose gäbe. Es zeigten
sich keine wesentlichen Unterschiede, aber viele Patientinnen hatten eine
korrekte Einschätzung, ob sie an Brustkrebs erkrankt seien oder nicht. International
gesehen spielt die Diskussion dieses Themas in der Psychoonkologie keine
wesentliche Rolle mehr.
Psychoonkologie:
Unterstützung
von Patienten
Unter
Psychoonkologie versteht man zunehmend die wissenschaftlich erforschten Möglichkeiten,
Patienten bei der Bewältigung ihrer Tumorerkrankung professionell zu unterstützen
und sie zu beraten, wie sie die auftretenden Belastungen bewältigen können.
Nur ein kleiner Teil von Patienten entwickelt als Folge der Tumorerkrankung so
ausgeprägte Belastungsreaktionen oder wird durch Erkrankung und /oder Therapie
so traumatisiert
(Trauma
= seelischer Schock),
dass eine spezielle psychoonkologische Psychotherapie erforderlich ist. In einer
Reihe von internationalen Studien konnte gezeigt werden, dass psychosoziale
Unterstützung sowohl die Lebensqualität als auch möglicherweise den
Erkrankungsverlauf günstig beeinflussen kann.
Psychoonkologie:
Professionelle
Verbände
Welche
Organisationen vertreten in Deutschland die wissenschaftlich begründete
Psychoonkologie? In der Deutschen
Arbeitsgemeinschaft für Psychosoziale Onkologie (dapo)
sind Therapeuten verschiedenster Berufsgruppen zusammengeschlossen, die
Tumorpatienten psychosozial unterstützen und beraten, vor allem Psychologen,
Sozialarbeiter, Pflegeberufe, Ärzte und Seelsorger. Die dapo organisiert regelmäßige
Jahrestagungen, die der Fortbildung und dem lebendigen Erfahrungsaustausch
dienen. In Regionalgruppen organisiert findet auch vor Ort ein regelmäßiger
Erfahrungsaustausch statt. Die Geschäftsstelle befindet sich zur Zeit bei Frau
Dr. Andrea Schumacher am Universitätsklinikum Münster und vermittelt
fachkompetente Hilfe und Beratung vor Ort (Adressen am Schluss). Innerhalb
der Deutschen Krebsgesellschaft gibt es einen Arbeitskreis Psychosoziale Onkologie
(PSO) . Dieser Arbeitskreis organisiert wissenschaftliche Tagungen und
Kongresse. Auch die PSO ist fächerübergreifend; Sprecher ist derzeit Prof. Dr.
Joachim Weis, leitender Psychologe in der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg.
Dapo
und PSO arbeiten in vielen Bereichen
zusammen und ergänzen sich.
Gemeinsam
haben diese beiden Arbeitskreise ein psychoonkologisches
Weiterbildungsprogramm (WPO)
entwickelt, das sie seit mehreren Jahren durchführen und das mithilft, auch in
diesem Bereich solide Qualitätsstandards zu entwickeln. Diese Weiterbildung im
Rahmen der Psychoonkologie haben mittlerweile über 400 Teilnehmer absolviert,
und es ist besonders erfreulich, dass hier Psychologen, Sozialarbeiter
Klinikseelsorger und Ärzte miteinander arbeiten und voneinander lernen.
Inhalt
dieses Weiterbildungsprogramms der Psychoonkologie sind sowohl medizinische
Kenntnisse als auch Kenntnisse der psychosozialen Onkologie; es werden
Grundlagen der Gesprächsführung vermittelt, in Kleingruppen Fallbesprechungen
von Patienten durchgeführt und so die verschiedenen Perspektiven der
Beteiligten erarbeitet. In einem Selbsterfahrungsteil werden die Teilnehmer
schließlich mit ihrem eigenen Erleben konfrontiert. Der
Abschluss der Weiterbildung wird von der Deutschen
Krebsgesellschaft zertifiziert. Die Sonnenberg-Klinik
führt in Kooperation mit
Mitarbeitern des Universitätsklinikums Hamburg und Göttingen
Weiterbildungskurse zur Psychoonkologie und Supervisionsgruppen durch. Für
Selbstzahler ist in der Sonnenberg-Klinik
auch eine psychoonkologische ambulante Beratung möglich. Dr. med. Peter Zürner
Ansprechpartner
An wen
kann ich mich bei Fragen zur Psychoonkologie wenden?
2. Deutsche
Arbeitsgemeinschaft für Psychosoziale Onkologie:
3. Krebsberatungsstellen
5. Frauenselbsthilfe
nach Krebs
6. Psychosoziale
Nachsorgeeinrichtung Heidelberg (WPO),
Silke Ludwig, Im Neuenheimer Feld 155, 69120 Heidelberg, Tel: 06221 / 562719;
7. Sprecher der PSO,
Prof. Dr. Joachim Weis, Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie, Klinik für
Tumorbiologie Freiburg 8. Ambulanz der Sonnenberg-Klinik: Dr. Zürner 0 56 52/54 920
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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